jan_gleitsmann-headerWenn Ihr unseren motoBlog regelmäßig lest, dann wisst Ihr bereits, dass wir recht oft mit den anderen Autobloggern zusammentreffen. Zum engeren Kreis gehören rund 20 Leute, männlich dominiert und bestehend aus vielen besonderen Personen und Persönlichkeiten. Die Motivation ist ebenso unterschiedlich wie das Alter und der Background. Einige bloggen hauptberuflich, andere eher als Hobby, den einen geht’s um die Technik, andere sind fotolastig. Spannende Geschichten haben sie auf jeden Fall alle zu erzählen. Und ein Kollege sticht in diesem Monat besonders hervor, daher wollen wir ihn Euch gern vorstellen:

Jan Gleitsmann betreibt den Blog auto..geil.de und hat sich bisher neben seinem Beruf um die Schreiberei gekümmert. Aber damit ist nun Schluss, denn seit dem ersten Mai ernährt der 42-jährige Bielefelder seine vierköpfige Familie mit der Bloggerei. So zumindest sein Plan. Wer sich jetzt fragt, ob man wirklich davon leben kann oder ob Jan leichtsinnigerweise seine bisherigen Jobs als Programmierer, Projektleiter, Online-Redakteur, Berater und Online-Marketing-Manager aufgegeben hat, der sollte sich das aufschlussreiche Interview unbedingt reinziehen.jan_gleitsmann-jaguar-xkr

1. Wann hast Du Deinen ersten Blogbeitrag geschrieben und was war der Titel?
Am 8. Januar 2004 habe ich den ersten Blogbeitrag überhaupt geschrieben – der Titel lautete powerbook[blog] und war der Start eines bis 2008 sehr erfolgreichen Blogs, in dem ich über meinen Wechsel vom Windows-PC zum Mac geschrieben habe. Ich hatte mir damals – man glaubt es kaum – ein Apple Powerbook, der Vorläufer der heutigen MacBook Pro, gekauft.

Das erste Posting in meinem Auto-Blog „Auto..Geil“ habe ich am 18.12.2011 geschrieben. Der Titel des ersten Beitrags lautete „Und los“ und war der Startschuss meiner recht steilen Karriere als Auto-Blogger.

2. Welches ist Dein Traumauto bzw Fuhrpark?
Du weisst schon, dass Du einem Auto-Nerd so eine Frage nicht stellen darfst, oder? Ich habe nicht genug Zeit, um jetzt auf alle Autos einzugehen und fasse mich also etwas kürzer: Mein absolutes Traumauto ist eine Porsche 550 Spyder. Wenn ich mal ganz viel Geld überhabe, werde ich mir eine Replika von dem Wagen kaufen. Auf meinem linken Oberarm habe ich eine Tätowierung, die drei andere Autos zeigt. Einen Porsche 356 Speedster, einen Fiat 500 D und eine Citroen DS. Diese Fahrzeuge bezeichne ich als meine „realistischen“ Traumautos. Die letzten beiden besitze ich, der Porsche entrückt immer mehr meinen finanziellen Möglichkeiten.jan_gleitsmann-tattoos

3. Kannst Du wirklich vom Bloggen leben? Woran verdienst Du?
Nein, ich kann noch nicht vom Bloggen leben. Die Betonung liegt aber auf „noch“. Ich habe mich erst zum 1.5.2013 selbstständig gemacht und weiß, dass einem das Geld nicht einfach in den Schoss fällt. Tendenziell zieht der Werbemarkt aber durchaus an in unsere Richtung und bewegt sich fort von reiner Banner-Werbung, die ich selbst als Konsument auch eher störend finde.

Meine Selbstständigkeit beruht auf drei Säulen. Die Erste bildet mein Auto-Blog zusammen mit einem Youtube-Auto-Magazin Ausfahrt.tv, welches ich zusammen mit Jens Stratmann, einem weiteren Autoblogger aus Bielefeld, gestalte. Schaut mal rein, es lohnt sich! Die zweite Säule bildet der Verkauf von Content, den ich generiere. Ich fotografiere viel und die Leute finden meine Bilder auch sehr ansprechend – ein paar meiner automobilen Foto-Perlen findet man unter Sed-Cars. Die dritte Säule wird vorerst die Stärkste sein, vor meiner Selbstständigkeit war ich Berater und Online Marketing Manager. Also berate ich Unternehmen bei social media Konzepten und Blogger Relations.jan_gleitsmann-screen_2

4. Was sagt Deine Familie zu diesem Schritt?
Die Kinder finden es „cool“, dass wir ständig neue Autos vor dem Haus stehen haben, meine Frau ist weniger begeistert, weil das Auto-Bloggen ziemlich viele Reisen mit sich bringt. Bei meinem Schritt in die Selbstständigkeit erfahre ich jede Menge Unterstützung und habe selbstredend diesen Schritt gemeinsam mit meiner Frau lange besprochen und auch beschlossen.

5. Wie sieht eine typische Arbeitswoche aus?
Auf jeden Fall nicht so rosig, wie sich das viele Aussenstehende so vorstellen. Im Moment habe ich eine 60 Stunden-Woche. Die ersten Stunden am Morgen scanne ich die relevanten social media-Kanäle, um mich auf dem Laufenden zu halten, aber auch, um meine Inhalte entsprechend zu verteilen. Ein großer Teil meiner Arbeitszeit entfällt auf die Korrespondenz mit Herstellern und anderen Partnern. Ich habe pro Woche einen neuen Testwagen, den ich auf der einen Seite fahren, aber auch fotografieren und beschreiben muss. Zudem versuchen Jens und ich zu jedem Testfahrzeug ein Video zu erstellen. Im Durchschnitt kommt dann noch ein Termin / eine Fahrveranstaltung im In- oder Ausland hinzu.

Als professioneller Blogger hast Du ja eine Menge Aufgaben und Arbeitsbereiche, die Du nicht delegieren kannst, sondern Dir selbstständig Fachwissen aneignen musst – sei es nun die Suchmaschinenoptimierung deiner Blogs, Bilder und Youtube-Einträge, das Verfolgen der Neuerungen auf den unterschiedlichen Multimedia-Kanälen, das Erstellen von Konzepten und Angeboten für die Industrie und potentielle Werbepartner wie eben auch die üblichen Aufgaben eines jeden Selbstständigen wie die Buchhaltung. Als Onliner musst Du auch dem „Druck von Aussen“ gerecht werden, ständig online und verfügbar zu sein und die neuesten Trends schon vor dem Mainstream zu kennen. Mir macht das viel Spass, aber wie ich eingangs schrieb – es ist weder besonders romantisch noch rosig.jan_gleitsmann-oldtimer

6. Hast Du noch andere Interessen als Autos?
Ich fotografiere leidenschaftlich gerne. Und entdecke gerade die Videowelt für mich. Beides kann ich glücklicher Weise mit meiner Profession als Autoblogger in Einklang bringen. Weitere Hobbies lässt die 60 Stunden-Woche nicht zu. Ich habe eine Familie, mit der ich gerne Zeit verbringe. Aktuell quäle ich mich morgens wieder um 5 Uhr aus dem Bett, um regelmäßig meine 10 km zu laufen, denn das ganze Reisen und das ständige Sitzen am Computer ist nicht förderlich für die Figur, ein wenig Ausgleich schadet da wirklich nicht.

7. Wo siehst Du Dich in 3 Jahren oder wo wärst Du dann gern?
Ich bin seit einem dreiviertel Jahr mit einem Masterplan schwanger, der mir Ruhm und Reichtum bringen soll. Leider musste ich den Plan in den letzten Monaten ruhen lassen, will aber alsbald meine Arbeit daran wieder aufnehmen. Wenn der Plan aufgeht, dann sehe ich mich in drei Jahren als sehr zufriedenen Menschen.

Alternativ bin ich eigentlich sehr glücklich, wie es bislang läuft. Das Arbeiten als Selbstständiger erfordert eine Menge Disziplin und wer mich kennt, weiss, dass ich da noch ein wenig mehr als nur einen Hauch Optimierungspotential habe. Aber wenn alles so bleibt wie es jetzt ist und die Einnahmen mit dem Arbeitsaufwand korrelieren, dann bin ich schon happy.

Alternativ könnte ich mir noch vorstellen, halbtags neben meiner Tätigkeit als Auto-Blogger für ein international agierendes Unternehmen die Blogger Relations zu übernehmen. Aber im Grunde möchte ich in 3 Jahren nur glücklich mit meiner Familie zusammen sein, Spass an meiner Arbeit und ein dazu noch passendes Einkommen haben – wer will das nicht?jan_gleitsmann-fotografie

8. Wo liegt Deiner Ansicht nach das Optimierungspotenzial in der Zusammenarbeit mit der Industrie?
Die Auto-Industrie hat im letzten Jahr einen riesigen Schritt in Sachen Blogger-Relations gemacht und auch in diesem Jahr haben noch weitere Hersteller nachgezogen. Mercedes-Benz, die als Vorreiter in Sachen Blogger-Relations gelten, behandeln uns mittlerweile gleichwertig mit den „normalen“ Journalisten. Ich denke, dass sich dieser Trend durchsetzen wird. Noch sind wir für viele Industrie-Partner ein Haufen flippiger Personen, die ins Internet schreiben. Hier wird in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr ein Umdenken erfolgen. Die Blogger werden wie die Presse nach Relevanz kategorisiert werden.

9. Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Blogger?
DAS schönste Erlebnis kann ich nicht benennen. Bei der Fahrveranstaltung zum neuen Mercedes SL bin ich mit Jens um 4:30 Uhr aufgestanden, um dieses Foto zu schiessen, das war ein wundervoller Moment. Später durften wir dann noch den Gullwing fahren, da tat mir das Gesicht schon fast weh vom Grinsen. Ich habe DIE Skywalker-Ranch in Kalifornien besucht, was für mich ein absoluter Kick war. In Valencia habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Formel 1 Rennen live erleben dürfen. Anfang des Jahres bin ich entlang der Route 66 von Los Angeles nach Detroit gefahren, insbesondere die Fahrt durch den mittleren Westen war imposant.jan_gleitsmann-screen_1

10. Und was willst Du unbedingt noch erleben?
Ich reise gerne. Und ich fahre auch gerne Auto. Ich war noch nie in Australien oder Neuseeland. Und auch nach Südamerika habe ich es noch nicht geschafft. Zudem sammle ich seit ein paar Monaten Tipps zu schönen Autostrassen, die ich irgendwann auch mal befahren möchte.

WOW, das waren ne Menge Infos und sehr interessante Einblicke in die Arbeitswelt der Autoblogger. Ich hoffe, Euch motoBlog-Leser interessiert dieses Thema. Dann stelle ich Euch in Zukunft gern weitere Leute dieser Spezies vor. Auf jeden Fall drücken wir Jan die Daumen bei seinen Projekten. Neben seinem Blog findet Ihr ihn hier:
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