Mercedes und ich

Die Marke Mercedes verfolgt mich eigentlich schon mein ganzes Autofahrer-Leben – und immerhin nehme ich bereits seit über 20 Jahren motorisiert am Straßenverkehr teil. Mein erstes Auto sollte damals etwas Besonderes sein. Daher stand am Tag der Führerschein-Prüfung eine Heckflosse 190C aus dem Jahr 1965 vor der Tür. Der dicke Ordner an Werkstatt-Rechnungen vom Vorbesitzer und die Fettpresse für die Schmiernippel haben mich nicht abhalten können. Denn die durchgehende Sitzbank, die Lenkrad-Schaltung, der extrem große Innenraum und die gesamte Optik brachten so viel Spaß und sorgten für lässige Fortbewegung, dass die kleineren Arbeiten und erhöhten Kosten absolut in Ordnung waren.

Der TecDay E-Drive

Und jetzt hatte ich erneut eine Begegnung mit der Marke Mercedes, die das Autofahrer-Dasein in Zukunft grundlegend verändern könnte: eingeladen von Mercedes-Benz zum „TecDay E-Drive“ in der Nähe von Stuttgart ging es darum, die gesamte Palette an Fahrzeugen mit alternativen Antriebssystemen zu begutachten, Probe zu fahren, Hintergründe abzuklopfen und sich so ein Bild zum aktuellen Entwicklungsstand machen zu können. Was für eine tolle Chance, werden diese Fahrzeuge doch in naher Zukunft immer wichtiger und präsenter.

Ehrlich gesagt habe ich mich mit dem Thema „E-Mobilität“ bisher nicht wirklich intensiv beschäftigt, daher bin ich mit vielen Vorurteilen gegenüber E-Fahrzeugen angereist:
Lange Ladezeiten, ein hohes Gewicht, zu wenig Tankstellen, geringe Reichweite, hohe Anschaffungskosten, zu wenig Leistung, gar nicht so umweltfreundlicher durch die Batterie und deren Entsorgung…und wo bleibt überhaupt eigentlich der Fahrspaß, wenn man weder hört noch spürt, ob der Wagen schon läuft? Aber ich lass mich ja gern überzeugen…

Die B-Klasse F-Cell

Umgeben von einigen Technik-Spezies und Mercedes-Experten repräsentierte ich eher den „normalen“ Autofahrer und -käufer. Und von dieser Seite habe ich mir die Fahrzeuge auch vorgeknöpft. Nach einem umfassenden Vortrag zum aktuellen Stand der Technik ging’s auf den Hof zu dem zur Verfügung stehenden Fuhrpark. Im Team mit Markus startete ich in der B-Klasse F-Cell. Und bereits beim Start gab’s den ersten „oh“-Effekt: Das Teil kam extrem schnell auf Touren, lies sich sportlich bewegen und bot maximalen Fahrkomfort. Also kein Unterschied zum benzin-betriebenen Modell.

Immerhin bringt die B-Klasse auch stolze 136 PS auf die Bahn und erreicht einen Top-Speed von 170 km/h – und das ganze emissionsfrei. Nur 3 Minuten Tankzeit an der Wasserstofftankstelle ergeben eine Reichweite von 400 Kilometern. Und unser gift-grünes Gefährt hat bereits bewiesen, was in ihm steckt: unsere B-Klasse ist eins der Modelle, die in der ersten Jahreshälfte beim World Drive bereits ihre Alltagstauglichkeit und technische Reife unter Beweis gestellt haben. Mehr als 30.000 Kilometer wurden abgerissen, die Tour führte auf vier Kontinenten durch 14 Länder.
Fazit: Die B-Klasse bietet den Fahrkomfort der benzin-betriebenen Variante, schont die Umwelt, hat einen kräftigen Zug und ist von der Reichweite ausreichend für den erweiterten Stadtverkehr. Und das ganze wartungsfrei und ohne Verschleiss von Zahnriemen, Zündkerzen und so weiter.

Die A-Klasse E-Cell

Weiter ging es mit einem für mich gewohntem Modell, zuhause fahre ich oft eine (Diesel-)A-Klasse. Auch hier überzeugt der geschmeidige und zügige Antrieb. Gewöhnen musste ich mich an das komplett lautlose Fahren, aber bereits nach wenigen Kilometern geniesst man die Stille und das leise Dahingleiten. Der Batterie-Stand ist jederzeit einsehbar – und sobald der Fuss vom Gas geht, wird sogar Energie zurückgeführt und die Batterie wieder geladen. Das unterstützt eine überlegte Fahrweise, weil sich das Fahrverhalten direkt auf die Reichweite auswirkt. Übrigens gibt es auch eine extrem sinnvolle App, die man personalisieren kann und die einem hilft, den Ladestatus zu prüfen oder auch Tankstationen in der Nähe zu finden.
Fazit: Die A-Klasse überzeugt durch gutes Handling, reichlich Platz für weitere Mitfahrer und Gepäck sowie einer übersichtlichen und verständlichen Bedienung.

Trotzdem bleiben Fragen offen, was die oben gelisteten Vorurteile sowie die konkrete Kaufentscheidung betrifft. Daher haben wir die anschließende Experten-Fragestunde genutzt, um direkt vom Hersteller ein paar Auskünfte zu bekommen.

Unsere erste Frage war die Bitte um eine Begründung, warum man sich bei Interesse für eine A-Klasse für das E-Cell Modell entscheiden sollte.
Dazu sagt Mercedes: Die Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL bietet fortschrittlichste, lokal emissionsfreie Antriebstechnologie und ist dabei voll alltags- und familientauglich. Sie verfügt über alle Tugenden eines Mercedes-Benz: vorbildliche Sicherheit, optimalen Komfort und hohe Alltagstauglichkeit. Außerdem hat sie etwas, das für heutige Elektroautos nicht selbstverständlich ist: Agilität und Fahrspaß. Außerdem spricht für die A-Klasse E-CELL, dass sie durch modernste Batterietechnologie eine große Reichweite von 255 km bietet. Das reicht für 80 Prozent aller Fahrten aus, die ein klassischer A- oder B-Klasse Kunde mit seinem Fahrzeug erledigt.

Das Interview

Die Autos haben uns bei der Probefahrt überzeugt. Aber was ist denn nun mit den vielen oben angerissenen Vorurteilen? Auch dafür gab es eine umfassende Antwort von den Mercedes-Verantwortlichen, für die wir uns ganz herzlich bedanken möchten. Hier die Statements zu:

…geringer Reichweite
Bedenkt man, dass die tägliche Fahrstrecke von bis zu 80 % aller Autofahrer 40 km nicht überschreitet, verfügen sowohl der smart fortwo electric drive mit seinen 135 km als auch die Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL mit mehr als 200 km Reichweite über genug Spielraum für den täglichen Einsatz im Straßenverkehr.

…hohem Gewicht
Tatsächlich machen die innovativen Batteriespeicher unsere Elektrofahrzeuge etwas schwerer, was dem Kundennutzen allerdings keinen Abbruch tut. Denn das Gewicht hat dank des tiefen Fahrzeugschwerpunkts, der aus der Einbaulage der Batterien im Unterboden des Fahrzeugs resultiert, keine negativen Einflüsse auf die Fahrdynamik. Sowohl der smart fortwo electric drive als auch die Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL verfügen über eine erstklassige Fahrstabilität, eine ausgewogene Straßenlage und ein agiles Fahrzeughandling.
Außerdem muss der Fahrer weder Komfort- noch Sicherheitseinbußen hinnehmen. Bei einem Front- oder Heckaufprall bietet die Einbauposition den bestmöglichen Schutz vor Intrusionen, weil die Energiespeicher außerhalb der Verformungszonen der Karosserie liegen.

…zu wenig Leistung
Der Elektromotor der Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL entwickelt eine Spitzenleistung von 70 kW (95 PS), eine Dauerleistung von 50 kW (68 PS) sowie ein – E-Motor-typisch hohes maximales Drehmoment von 290 Newtonmetern, das bereits von der ersten Umdrehung an zur Verfügung steht. Damit tritt die Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL ausgesprochen souverän an und erfüllt hohe fahrdynamische Anforderungen. Von null auf 60 km/h beschleunigt das Elektroauto in 5,5 Sekunden. Per Kickdown auf das Fahrpedal sorgt eine Boost-Funktion für maximale Beschleunigung – unter Berücksichtigung des aktuellen Ladezustands und der Batterietemperatur. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 150 km/h abgeregelt. Jeder der bereits die Chance hatte mit der Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL zu fahren bestätigt, dass es ein völlig neues Fahrgefühl ist – eine umweltfreundliche und souveräne Fortbewegung in der Stadt und im Umland.
Auch beim smart fortwo electric drive arbeitet im Heck ein 30 kW starker Permanentmagnetmotor mit 120 Nm Drehmoment direkt beim Start für eine beeindruckende Beschleunigung sorgt.

…wenig Umweltfreundlichkeit durch Batterie und ihre Entsorgung
Fakt ist, die Elektroautos von Mercedes-Benz sind lokal emissionsfrei, das heißt, sie stoßen lokal kein CO2, kein Kohlenmonoxid und keinen Ruß, keinen Feinstaub oder andere Schadstoffe aus. Was die Entsorgung abgenutzter Batterien angeht, so wird diese einem fachgerechten Recyclingprozess zugeführt.
Idealerweise stammt die zum Erzeugen des Stroms genutzte Energie aus erneuerbaren Energiequellen. Mercedes-Benz ermutigt alle Kunden dazu, sich zum Bezug von Strom aus erneuerbaren Energiequellen für den Betrieb der Fahrzeuge zu verpflichten.
Da auch nicht erneuerbare Energiequellen für die Stromgewinnung bei Elektroautos genutzt werden können, hängt der CO2-Ausstoß bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen von Herstellungsart des Stroms ab. Wird der Strom rein regenerativ aus z.B. Windenergie generiert (wie es z.B. bei sämtlichen Ladestationen im Rahmen unseres Projektes e-mobility der Fall ist), emittieren Elektroautos nicht nur in der tank to wheel sondern auch in der well to wheel Betrachtung NULL g CO2/km. Unabhängig davon stößt das Elektroauto schon beim heutigen europäischen Kraftwerks-Mix insgesamt betrachtet weniger CO2 aus als eines mit Verbrennungsmotor. Im EU-Mix liegt der Wert bei 87g/km.

…zu wenig Ladestationen, daher nicht für Reisen geeignet
In Sachen Infrastruktur arbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten in den nächsten Jahren zum Beispiel an folgenden Punkten: breite Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten, bequeme und sichere Bezahlungsmöglichkeiten, entsprechende Leistungsfähigkeit des Stromnetzes, verbindliche Standards, etc. Nur wenn die Energieversorger mit den Fahrzeugherstellern an einem Strang ziehen, wird sich das emissionsfreie Fahren mit Batteriefahrzeugen in der Breite darstellen lassen. Der wichtigste Treiber wird auf lange Sicht die öffentliche Hand sein. Da sind die Länder, Regionen und Städte sowie die Netzbetreiber und Energieversorger gefordert.

…lange Ladezeiten
Die Ladedauer von 20-80 Prozent Batteriekapazität beim smart fortwo electric drive beträgt lediglich dreieinhalb Stunden. Die leere Batterie komplett aufzuladen, dauert nicht mehr als acht Stunden und ist damit an einer normalen Steckdose über Nacht möglich. Die SOC-Anzeige im Armaturenbrett warnt überdies rechtzeitig, wenn die Batteriekapazität sich dem Ende zuneigt, und das Auto an die nächste Steckdose angeschlossen werden muss.

Auch die A-Klasse E-CELL kann an öffentlichen Ladestationen, einer hauseigenen Wallbox in der Garage und an jeder herkömmlichen Haushaltssteckdose geladen werden.

Für 100 km Reichweite (NEFZ):
– 3 Stunden an Wallbox/öffentlicher Ladestation (400V)
– 8 Stunden an Haushaltssteckdose (230V)

Volladung 0-100% für mehr als 200 km Reichweite:
– ca. 7 Stunden an Wallbox/öffentlicher Ladestation (400V)
– ca. 18 Stunden an Haushaltssteckdose (230V)

…und ab wann rechnet sich so ein Modell?
Da der smart fortwo electric drive und die A-Klasse E-CELL ohne Motoröl auskommen und der Antriebsstrang nur einige wenige sich bewegende Teile beinhaltet, liegen die Unterhaltskosten für den smart fortwo electric drive und die A-Klasse E-CELL deutlich unter den Unterhaltskosten eines smart fortwo bzw. einer A-Klasse mit Verbrennungsmotor. Die Verschleißteile, wie z. B. Reifen, Bremsen usw. sind mit denen des herkömmlichen fortwo bzw. der A-Klasse identisch.

Bis auf die regelmäßige Aufladung ist die High-Tech-Batterie wartungsfrei und besitzt – abhängig von der Nutzung – eine Lebensdauer von bis zu 10 Jahren. Danach nimmt der Batteriehersteller die Batte¬rie zurück und führt das Recycling durch.

Die Miet-Raten für beide Fahrzeuge:

Der smart fortwo electric drive wird mit ca. 700 Euro pro Monat (Full-Service-Miete) auf 4 Jahre, 60.000 km vermietet. Darin enthalten ist die Miete für den smart fortwo electric drive, eine Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung sowie ein Komplettservice Paket inkl. Sommer und Winterreifen.

In Summe werden im Zeitraum 2011 bis 2012 rund 170 Fahrzeuge der Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL in den deutschen Markt eingeführt. Die Full-Service-Mietrate beträgt 900 Euro netto bei einer Laufzeit von vier Jahren. Darin enthalten ist die Miete für die Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL, eine Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung sowie ein Komplettservice Paket inkl. Sommer und Winterreifen.

Wir sagen herzlichen Dank an Mercedes für den spannenden und informativen Tag. Und unsere Leser fordern wir hiermit auf, sich nicht nur zum Schutz der Umwelt, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Thema „Alternative Antriebe“ zu beschäftigen. Wir werden an dieser Stelle weiter darüber berichten.