Dieser Name verpflichtet: Das „GT“ klingt wie Donnerhall, ziert es bei Herstellern wie z.B. Ford, Porsche und Maserati doch meist das Heck der wildesten Raubkatze. Und in diese Elite reinrassiger Sportwagen reiht sich auch der Artega GT nahtlos ein.

Was bedeutet GT?

„GT“ ist die Abkürzung für „Grand Turismo“ und bedeutet recht locker übersetzt sowas wie „große Fahrt“. Denn ursprünglich sollte diese mit den Fahrzeugen, die mit den zwei Buchstaben gekennzeichnet sind, besonders viel Freude machen. Heute ist es aber vielmehr ein Symbol für puristischen Motorsport ohne viel Schnickschnack. Gute Straßenlage, eine stramme Lenkung und massive Beschleunigung stehen im Vordergrund. Die aktuellen GT’ler sind eher brachiale Monster für die Rennstrecke, passt doch meist nichtmal mehr eine Golftasche oder die Kiste Bier in’s Fahrzeug – geschweige denn die lieben Kleinen und die bezaubernde Gattin nebst Hartschalen-Kofferset.

Der neue Artega

Am 31. März 2011 wurde im Prototyp-Museum der Vorhang gelüftet und der neue Artega GT aus der Fahrzeugmanufaktur in Delbrück vorgestellt. In der Ansprache wurde den interessierten Gästen ein Fahrzeug angekündigt, welches zwar mit dem Motor des Passat R36 daherkommt, ansonsten aber auf Individualität und Nonkonformität größten Wert legt. „…Lang wie ein Polo, breit wie eine S-Klasse und hoch wie ein Lamborghini…“ mag ja alles stimmen. Überzeugen muss uns das Teil aber auf dem Asphalt.

Testrunden in der Hamburger Speicherstadt

Wir lassen es uns nicht nehmen und starten zu einer der ersten Testfahrten in der Speicherstadt. Bei leicht einsetzendem Regen soll sich zeigen, wie der Bolide beschleunigt und ob er dabei in der Spur bleibt. Zuerst machen wir uns aber mit dem Innenraum vertraut. Die Sitzposition ist sehr sportlich, für Leute über 1,90m wird’s aber sicherlich knapp mit der Beinfreiheit. Das Cockpit ist schön reduziert, könnte aber in der Optik etwas edler daherkommen. Und die leicht nach vorne abgeschrägte Anordnung der Elemente erschließt sich ebenfalls nicht komplett, sind die Informationen doch insbesondere tagsüber kaum ablesbar. Aber wir wollen uns ja auch auf die Straße konzentrieren…

Die Beschleunigung ist beeindruckend. 300 PS drücken uns in den Sitz, die Gänge der Automatik-Variante ziehen schön hoch und die Straßenlage ist hervorragend. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die fast zu allen Seiten recht eingeschränkte Sicht und die etwas zu leichtgängige Lenkung. Aber all das sind zu vernachlässigende Attribute, bringt der kleine Flitzer doch massiv Spaß – und zieht dazu aufgrund der besonderen Optik reichlich Blicke auf sich. Von vorne sieht er sportlich und ein bißchen wie der Lotus aus – von hinten aber zeigt er sein breites, eher nach Ferrari anmutendes Heck – und das kriegen die anderen Verkehrsteilnehmer ja meistens zu sehen.

Fazit

Wer bereits ein alltagstaugliches, geräumiges Fahrzeug besitzt und nun auf der Suche ist nach Sportlichkeit, Purismus und Individualität, der sollte unbedingt mal die Angebote aus der Manufaktur Artega checken. Für ein im Vergleich überschaubares Budget gibt es einen Flitzer, der auf der Straße auf jeden Fall auffallen wird und dabei eine Menge Fahrspaß bietet. Beim Interieur könnte an einigen Stellen etwas nachgebessert werden. So sind einige Schalter nicht edel genug für ein so individuelles Fahrzeug, der Fensterheber kommt als Retro-Nippes daher und die Handbremse ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch Drift-unfreundlich platziert. Aber das verzeihen wir, zaubert uns doch die Beschleunigung und die Optik ein dauerhaftes Lächeln auf’s Gesicht. Wir hoffen drauf, den Exoten demnächst auch in Rennserien wiederzufinden, um seinen Ruf als reinrassiger Sportler zu festigen. Uns hat er auf jeden Fall überzeugt!