Petrus fährt V8, das ist seit dem vergangenen Wochenende mal Fakt. Pünktlich zur Street Mag Show Ausgabe in Hamburg schien die Sonne und vertrieb auch die letzten Regenwolken, die noch in der Nacht zuvor in Norddeutschland ihre nasse Ladung niederließen. Am Samstagmittag war Hamburg St. Pauli fest in der Hand großvolumiger Fahrzeuge vornehmlich amerikanischer Bauart. Zwei sehr geile Tage, aber seht selbst.


Voll, voll, voll, voll! Der Platz war Samstagmittag bereits… na was wohl? VOLL!

Die Street Mag Show auf dem Heiligengeistfeld nahe der berühmten Hamburger Reeperbahn kann mit Fug und Recht als die letzte Bastion für politisch unkorrekte, kraftstoffbetriebene Fahrzeugkultur bezeichnet werden. Wo man sich sonst mit seinem amerikanischen Straßenkreuzer schon mal den Zorn der Passanten zu zieht, werden die Chromjuwelen™ hier als das bejubelt, was sie sind: Nämlich Zeitzeugen einer längst vergangenen Ära, in der die Motorkutschen noch Ausdruck von persönlichem Lifestyle waren und nicht nur aerodynamisch rundgelutschte Plastikbomber, in denen die Fahrzeugführer, wenn es hoch kommt, noch Geschwindigkeit und Fahrtrichtung bestimmen dürfen.


Pedalkraft trifft auf Blechpferdestärke.

Wobei man ja auch sagen muss, dass der geneigte Halter von historischen Fahrzeugen diese Treffen einfach braucht, um über die unfachmännisch angebrachte Stoßstange ins Gespräch zu kommen. Da ist das Mobil quasi die Schnittstelle für den sozialen Kontakt, die Singlebörse für Autonarren, wenn man so will. Nur dass es später im Glücksfall höchstens zum Austausch der geheimen Teiledealer-Adressen kommt, statt zum unverfänglichen Koitus.


Bewunderung für Ralf’s Reiskocher in Baggypants. Mehr dazu hier: http://www.chromjuwelen.com

Dabei haben solche Autotreffen ja eine Menge vom Speeddating. Haube auf, was hat’ter, wie schnell is’ser? Daten eingesogen, Bild gemacht, rüber zur nächsten Karre. So werden komprimiert die glänzenden Vehikel konsumiert, die man sonst mit Glück an schönen Tagen rund um den Hamburger Hafen nur im Vorbeifahren begutachten kann. So manch einer wird obgleich der großen Auswahl an erstklassigen Fahrzeugen gar mit Kopfschmerzen den Platz verlassen, mindestens aber mit einem steifen Hals.


Der Kutscher kennt den Weg! Auch vom Veranstaltungsplatz auf die Cruisingstrecke über den Kiez.

Was will der Kerl uns damit sagen, fragt Ihr Euch mit Recht. Nicht dass die zwei Tage Street Mag Show einfach mal der Hammer waren, das weiß eh jeder, der das Treffen schon jemals bei gutem Wetter besucht hat. Auch nicht dass es aus meiner Sicht hinterfragungswürdig ist, den eh schon mit Sondersteuern und horrenden Tankrechnungen gestraften Kapitänen am Eingang 14 Euro abzuknöpfen. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie mit ihrer Anreise die Show erst besuchenswert machen. Gesagt werden muss hier eigentlich gar nichts, denn es reicht, dass an diesen zwei Tagen den (Er)Haltern von klassischen Fahrzeugen mal wieder kräftig auf die Schulter geklopft wurde, dass sie Stress und Geld in dieses komplett wahnsinnige Hobby stecken.

Noch mehr Street Mag Show Hamburg 2009:

http://www.street-magazine.com/
http://www.ostercruising.com/galerie2/treffen_2009/street_mag_show/
Aktuelle Youtube Videos

PS: Alter und zudem derbe modifizierter Stahl wird manchmal fußlahm. So wie der Käfer, der nach dem Cruising mit akuter Atemnot auf dem Heiligengeistfeld gestrandet ist. Die Wiederflottmachung erfolgte in der Nacht, danke an die Security und die alkoholisierte Chevybus-Crew für die Hilfestellung. Christoph Du bist ein Knüller!